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Bilder zur Kenia-Projektreise 2012 — Aufenthalt an der Küste und Besuche im Tana-River-Gebiet

Büro des Förderkreises Kenia e.V., Freudenstadt, Germany. Druckfehlerbereinigte Version. Erste Fassung veröffentlicht am 07.05.2012. Seite 2/4.

Sonntag, 4. März 2012, Malindi

Blick vom Hotel in Malindi zum Indischen Ozean.
Blick vom Hotel in Malindi zum Indischen Ozean.

Nach dem Frühstück fuhren wir mit einem Tuk-Tuk zur Evangelisch-lutherischen Gemeinde Malindi, um an dem dort stattfindenden Weltgebetstagsgottesdienst teilzunehmen. Der Projektkoordinator des Vereins hielt mit dem Gemeindepfarrer eine die Arbeit unseres Vereins betreffende Besprechung im Pfarrhaus ab. Eine Vertreterin unseres Vereins besuchte den Weltgebetstagsgottesdienst. Dieser wurde durch einen Frauenchor mit Band eröffnet, wozu die ganze Gemeinde eingeladen war. Es handelte sich um einen sehr lebendigen, unter der liturgischen Beteiligung vieler Frauen stattfindenden Gottesdienst, wie er in Europa selten zu erleben ist. Umrahmt mit viel Musik und Tanz und verschiedenen Rednerinnen, folgte der Ablauf einem vorgegebenen Programm. Unsere Vertreterin wurde im Gottesdienst begrüßt und stellte sich selbst vor. Für die vielen anwesenden Kinder fand in einen anderen Raum ein Kindergottesdienst statt. Der Gottesdienst dauerte insgesamt vier Stunden, wobei auch die Kollekte und anschließend noch ein Opfer aus der vergangenen Woche eingesammelt wurde, welches dem Weltgebetstagsopfer hinzugefügt wurde. Zum Schluss sprach der Pfarrer den Segen. Anschließend verließen die Besucher die Kirche, um auf dem Kirchplatz im Freien einen Kreis zu bilden, wo man sich die Hand gab und erst nach einem kurzen Gebet auseinander ging — eine schöne Geste im Vergleich zu den mitteleuropäischen Gepflogenheiten. Am nächsten Tag machten unsere Vereinsmitglieder nochmals einen Besuch im Pfarrhaus und übergaben die mitgebrachte Kinderkleidung. Die Frau des Gemeindepfarrers ist nach der Geburt von Zwillingen im Januar 2012 leider an zu großem Blutverlust gestorben. Neben den Zwillingen ist noch ein dreijähriges Mädchen da. Die Schwester des Pfarrers und seine Mutter versorgen die Kinder so gut es geht.

Montag, 5. März bis Freitag 9. März 2012, Akklimatisierungsaufenthalt in Malindi

Das tropische Klima an der Küste verlangt für Mitteleuropäer einen Akklimatisierungsaufenthalt. Ein mitgereistes Vereinsmitglied feierte Geburtstag, wozu überraschend das ganze Hotelpersonal mit einer musikalischen Einlage gratulierte — eine überwältigende Geste, welche zur Überraschung des Geburtstagskindes durch ein Blumenmeer am Frühstückstisch und im Zimmer inklusive einem extra Strauß vom Oberkellner des Hotels abgerundet wurde.
Kinder der unterstützten Familie im Tana-River-Gebiet in ihrer Hütte (Halbwaisen). Hermann, der auf der Bank rechts sitzende Junge, erhielt in 2009 eine Operation, die von unserem Verein finanziert wurde.
Kinder der unterstützten Familie im Tana-River-Gebiet in ihrer Hütte (Halbwaisen). Hermann, der auf der Bank rechts sitzende Junge, erhielt in 2009 eine Operation, die von unserem Verein finanziert wurde.

Samstag, 10. März, Fahrt an den Tana-River

Paket aus einigen Grundnahrungsmitteln, welches der Familie vom Verein gespendet wurde.
Paket aus einigen Grundnahrungsmitteln, welches der Familie vom Verein gespendet wurde.

Vor dem Frühstück deponierten wir das nicht benötigte Reisegepäck an der Hotelrezeption, um um 8.00 Uhr mit unserem kenianischen Fahrer und einem geländegängigen Fahrzeug sicher nach Idzwowe gebracht zu werden, ein Dorf, welches in ca. 80 km Entfernung von Malindi liegt. Gegen 9:30 Uhr kamen wir dort bei einer Witwe an, die ein halbes Dutzend Kinder zu versorgen hat. Zwecks Unterstützung der bedürftigen Familie wurden zunächst die aus Deutschland mitgebrachten Kleider und Spielzeug verteilt, bevor die Übergabe der Spendenmittel zur Hausrenovierung stattfand. Da die Versorgung der Familie sehr schlecht ist, übergaben wir der Witwe außerdem einige Grundnahrungsmittel in Form von vier Paketen Maismehl, drei kg Bohnen, drei kg Reis sowie Kochfett. Hermann, ein Sohn der Familie, wird von unserem Verein seit 2009 betreut. Sein Gesundheitszustand ist nach der von uns im Juli 2009 finanzierten Bauchoperation den Umständen entsprechend gut. Wegen festgestellter Gewebeveränderungen im Bauchraum muß er jedoch auf ärztlichen Rat hin auch künftig zweimal im Jahr zu Kontrolluntersuchungen nach Mombasa. Seine Mutter bat den Verein um die weitere Kostenübernahme, da sie die Gelder für die Fahrt mit dem Bus vom Heimatort nach Mombasa und zurück, den dortigen mehrtägigen Aufenthalt mit Übernachtung und die medizinische Untersuchung nicht selbst aufbringen kann. Die älteste Schwester ist eine der Besten in der Schule und wird vom Verein durch die Übernahme der Schulgebühren gefördert.
Unser Fahrer beim Ausladen des Gepäcks in Wema.
Unser Fahrer beim Ausladen des Gepäcks in Wema.

Gespräch mit der Haushälterin während des Mittagessens in der katholischen Missionsstation in Wema.
Gespräch mit der Haushälterin während des Mittagessens in der katholischen Missionsstation in Wema.

Um 11:30 Uhr fuhren wir ca. acht Kilometer zur katholischen Missionsstation in Wema weiter, zu der einige unserer Vereinsmitglieder seit 1980 in Kontakt stehen. Einer der dort arbeitenden Pfarrer begrüßte uns sehr herzlich und wies uns in unsere Zimmer ein, die wir für eine Nacht bezogen. Die für uns ungewohnt hohen Temperaturen von über 40° C im Freien wurden uns durch das unerbittliche Brennen der Sonne auf das Wellblechdach des Missionshauses im Inneren des Gebäudes zu einer ungewohnten Herausforderung, welche einen Aufenthalt in unseren Zimmern tagsüber nahezu unmöglich machte. Wegen der noch nicht vorgenommenen Renovierung des Gebäudes befanden sich die Zimmer inklusive der Sanitäranlagen in einem ungewohnten Zustand. Da zudem seit mehr als zwei Jahren die Brunnenwasserpumpe der Missionsstation defekt war, gab es bei unserem diesjährigen Aufenthalt kein Fließwasser. Die Sanitäranlagen mußten stattdessen mit Wasser aus offenen Wassereimern gespült werden, während zum Duschen eine Art großer Schöpfkelle eingesetzt werden mußte. Uns wurde mitgeteilt, daß das ganze Wasser täglich in beschwerlicher Weise von einem älteren Mann in Kanistern vom Brunnen der nahen Dispensary geholt werden muß, um die leeren Eimer in den Sanitärräumen per Hand zu befüllen. Mittags hatten wir die Gelegenheit, uns beim schmackhaften tropischen Essen mit den beiden Pfarrern der Station und der ebenfalls anwesenden kenianischen Haushälterin und Köchin auszutauschen.
Begrüßung durch den mit unserem Verein zusammenarbeitenden Pfarrer und seiner Ehefrau in Kulesa. Rechts Vereinsmitglied.
Begrüßung durch den mit unserem Verein zusammenarbeitenden Pfarrer und seiner Ehefrau in Kulesa. Rechts Vereinsmitglied.

Sonntag, 11. März 2012: Kulesa

Am frühen Morgen fuhren wir von Wema in das von dort rund fünf Kilometer entfernte Kulesa, ein typisches Pokomo-Dorf mit nach unserer Schätzung etwa 200 Gebäuden, welche weitgehend in landestypischer Lehmhausbauweise errichtet wurden. Die Hausdächer werden hierbei traditionellerweise mit Gras oder anderen Pflanzenteilen abgedeckt, wobei aber heute bei einigen Gebäuden auch Wellblech Verwendung findet. Da es im ganzen Dorf keine befestigten Wege oder Straßen und auch keine öffentliche Wasserversorgung oder gar ein Stromnetz gibt, ähnelte das sich uns darbietende Dorfleben stark Berichten über die Verhältnisse in Mitteleuropa vor der Industrialisierung. Allerdings konnten wir beobachten, daß einige wenige Dorfbewohner begonnen haben, für ihre Hütte eine provisorische Stromversorgung mit Solarpanelen einzurichten. Daß die für unsere Vereinsmitglieder beim Besuch scheinbar idyllischen Verhältnisse in gesundheitlicher Hinsicht zumindest für die Atemwege nicht von Vorteil sein müssen, erfuhren sie, als selbst bei leichten Winden größere Staubmengen vom trockenen Boden in die Luft transportiert wurden.
Gottesdienst in Kulesa.
Gottesdienst in Kulesa.

Hungerhilfe für Kulesa:

Noch in Malindi waren wir überraschend von einem befreundeten lutherischen Pfarrer telefonisch über die Hungersnot in Kulesa unterrichtet worden, weshalb wir vor unserer Fahrt noch in Malindi als Soforthilfe einige Grundnahrungsmittel einkauften. Das Ausbleiben von Niederschlägen seit mehr als eineinhalb Jahren hat eine anhaltende Dürre und in Folge eine Hungersnot verursacht, so daß die Familienväter viel Zeit benötigen, um nach Lebensmitteln Ausschau zu halten. Nach unserer Ankunft konnten wir zuerst einen ergreifenden Gemeindegottesdienst in der kleinen evangelischen Kirche in Kulesa besuchen, welcher durch viel Gesang, Tanz und Musik charakterisiert war. Der mit unserem Verein zusammenarbeitende lutherische Pfarrer begrüßte hierbei unsere Besuchergruppe, wonach der Projektkoordinator des Vereins den Gruß öffentlich in der Kirche erwiderte. Nach dem Gottesdienst verteilten wir einige kleinere Geschenke an die ca. 100 anwesenden Kinder und gingen danach zum Wohnhaus des Pfarrers, wo wir ein vom Verein finanziertes Notebook nebst Zubehör übergaben und danach die zuvor eingekauften Lebensmittel an Witwen und Waisen verteilten. Jede in dieser Sofortaktion unterstützte Familie bekam eine Ration aus 2.5 kg Reis, 2.5 kg Maismehl, 2 kg Bohnen und 1 Flasche flüssiges Kochfett. Anschließend verteilten wir diverse Kleidungsstücke an besonders bedürftige Familien. Insgesamt erreichte unsere Hungerhilfe 35 Empfänger bzw. Empfängerinnen sowie deren Familien.
Verteilung der Hungernothilfe an bedürftige Familien.
Verteilung der Hungernothilfe an bedürftige Familien.

Das Wildbienenprojekt in Kulesa

Ein kleiner Teil der Honigernte (Honigwaben).
Ein kleiner Teil der Honigernte (Honigwaben).
Am Nachmittag fand im Freien unter einem Schattenbaum ein Meeting mit den Verantwortlichen des Wildbienenprojekts statt, an dem außer unseren mitgereisten Vereinsmitgliedern elf Personen eines schon im vorangegangenen Juni 2011 speziell für das Bienenprojekt gewählten Ausschusses teilnahmen. Wir unterstützen das von uns initiierte Projekt in der Anfangsphase finanziell, wobei die das Projekt durchführenden Personen eigenverantwortlich handeln und in fachlicher Hinsicht vom kenianischen Landwirtschaftsministerium unterstützt werden, welches in Kulesa die notwendigen Einführungskurse in Bienenhaltung durchführt. Später planen die das Projekt in Kulesa durchführenden Familien, welche im ersten Jahr des Projekts jeweils ca. 15 kg Honig ernten konnten, sich als Kooperative (Genossenschaft) registrieren zu lassen. Nach der Besprechung besichtigten wir das im vergangenen Jahr erbaute Bienenhaus und konnten sehen, wie einige Bienenstöcke im Gelände an Bäumen aufgehängt worden waren, wobei schon drei Stöcke von Wildbienen bevölkert wurden. Für die im Augenblick noch leeren Bienenstöcke wird aktuell nach weiteren Schwärmen Ausschau gehalten, um diese einzufangen und in die vorbereiteten Bienenstöcke einzubringen. Aus dem Dorf Kulesa haben sich nach unserem Kenntnisstand zwar bereits 50 Familienangehörige für das Bienenprojekt registriert, die sich jedoch wegen der anhaltenden Dürre in erster Linie um die eigene Grundversorgung kümmern mußten und deshalb noch nicht alle mit der Bienensuche und den damit zusammenhängenden Aufgaben befassen konnten. Die für die Weiterführung und Absicherung des Projekts notwendigen Schritte wurden besprochen und der Antrag unserer kenianischen Partner zur weiteren Projektunterstützung durch den Förderkreis Kenia e.V. Freudenstadt entgegengenommen. Die Details werden den Mitgliedern unseres Vereins in unserer jährlichen Mitgliederversammlung vorgelegt werden. Danach übergab der Projektkoordinator des Vereins den Förderbetrag für das Jahr 2012. Die Anwesenden bedankten sich beim Verein für die geleistete wichtige Aufbauhilfe.
Blick in das Bienenhaus.
Blick in das Bienenhaus.

Dorfbewohner während unseres Besuches.
Dorfbewohner während unseres Besuches.

Nach dieser wichtigen und interessanten Besprechung verließen wir Kulesa am frühen Nachmittag, um mit unserem Fahrer auf überraschend schlaglochreichen und unbefestigten Straßen ca. 70 km weiter zu den katholischen Schwestern nach Baharini zu fahren.




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